Sonntag, 3. Juni 2007

Von der großen Stadt in den großen Wald



Bei uns began das Wochenende bereits am Mittwoch Nachmittag. Nachdem wir uns den Bauch im German-Treff mit Sauerkraut, Wiener und Kartoffelsalat vollgeschlagen haben, sind wir mit dem Zug nach Taman Negara gefahren. Zum Glück sind wir 3 drei super Organisationstalente und haben in letzter Minute sowohl Zugtickets als auch eine Unterkunft in Jerantut ergattern können.
Einigermaßen müde sind wir dann um 3 Uhr in der Nacht angekommen und zum Glück wartete schon die Herbergsmutter auf "Mr. Michael" auf dem Bahnhof. Am nächsten Morgen hätten wir gleich bei "Jessy" Guide, Tourpackage und Transport organisieren können, aber dann wärs ja langweilig geworden. Also sind wir den erstmal im Minibus ins Regenwaldgebiet gefahren. Als wir angekommen sind, waren dann die Guides doch tatsächlich schon alle unterwegs und so sind wir dann am ersten Tag auf eigene Faust den Dschungel erkunden gegangen. Nach einigen Kilometern haben wir dann den Unterschied zwischen ner Bergtour im heimischen Allgäu und den Tropen deutlich gemerkt. Schon nach den ersten paar Kilometern klappte die Verständigung zwischen uns und dem Regenwald recht gut. Während wir uns in Form und Farbe immer mehr unserer Umgebung anpassten, hatten die leeches (Blutegel) mal das Vergnügen europäisches Blut zu probieren.



Aber ganz ehrlich, ich musste mich schon ziemlich überwinden diese Würmer aus der Haut wieder rauszuziehen. Vor allem als ich einen dieser Wichte knapp unterm Bauchnabel auf frischer Tat ertappt hab!!!
Nach ca. 4 km haben wir den CANOPY way erreicht. In einer Höhe von ca. 45 Metern sind zwischen den rießigen Bäumen Brücken gespannt, auf denen man entlang spazieren kann.



Anschließend sind wir auf den den Bhukit ........ gestiegen, und haben feststellen müssen, dass auf die Entfernungsangaben, leider nicht so großer Verlaß ist. Etwas erschöpft und blutleer(!) sind wir dann auf dem Gipfel angekommen.
Abends hab ich mich noch mit einem Engländer in unserer Unterkunft unterhalten, der mit seinen geschätzten 65 Jahren, sich entschlossen hat, einfach alles hinter sich zu lassen und zu Reisen. Einfach weg von daheim und ohne geplante Rückkehr. Das fand ich irgendwie faszinierend.

Am nächsten morgen konnten wir dann gemeinsam mit 3 Holländer und einem Engländer unserere 3 Tagestour beginnen. Das war ein sehr lustige Gruppe und am meisten sorgte Jack, der Engländer, für Unterhaltung. Mit seiner Glatze und seinen geschätzten 110kg machte er anfangs den Eindruck eines schlagkräftigen Fan-block-soldaten, der allerdings eine höllen Angst vor den Blutsaugern hatte und in regelmäßigen Abständen schreiend sich die kleinen Würmer von den Waden schnipste. Nach einem 5 stündigen Gewaltmarsch sind wir in einer Fledermaushöhle angekommen. Der Geruch der meterhohen Fledermauskacke war nicht so schlimm wie erwartet. Nach 2 weiteren Höhlen, einer Mittagspause, 5 Blutegel und 3 KG Schlamm in den Schuhen sind wir in unserer Nachtunterkunft angekommen. Einer unglaublich hohen und schönen Höhle, die anscheinend öfters auch für Elefanten und andere größere Tiere als Nachtunterkunft dient. Nachdem wir schon fast reflexartig alle 20-30 Meter unsere Schuhe und Hosen nach Blutegel kontrolliert haben, war es eine Wohltat in Sicherheit zu sein. Abgesehen von einer 50 cm großen Echse die es auf die Abfälle abgesehen hatte, schützte das Lagerfeuer vor nächtlichen Besuchern.
Eines der Probleme im Dschungel ist die unglaubliche Luftfeuchtigkeit. Nach einer halben Stunde war bei mir jedes Kleidungsstück von Schweiß und Schlamm durchdrängt und die Sachen werden einfach nicht trocken. Es kostet anfangs einige Überwindung die klatschnassen Sachen wieder anzuziehen, aber nach der 2. Flußüberquerung ist das dann auch geschwätzt.
Unser Mittagessen am Samstag nahmen wir dann inmitten eines Flusses zu uns. Was Jack sofort dazu veranlasste mit seinen Gummischuhen sich Wasser übers Gesicht zu schütten.



Nach 3 weiteren Stunden erreichten wir dann schon recht früh unser Ziel. Einen Hochstand, von dem man eine Wasserstelle beobachten konnte. Leider verirrte sich weder Balu, noch Shir Khan zu uns. Die Überreste des alten Hochstands zeugten allerdings davon, dass sich Elefanten öfters den Rücken an den Balken unserer Unterkunft gekratzt haben. So gings nach einer Pokerrunde mit Steinchips und klatschnassen Spielkarten ab ins Bett. Bis mitten in der Nacht Jack auf einmal laut zu schreien began. Und wir alle schon vom Schlimmsten ausgingen. Bis wir mit unserer Taschenlampe die Ratte gefunden haben, die ihm gerade übern Bauch gelaufen ist ;-) Irgendwie hats halt immer ihn erwischt, er nahms aber mit Humor und wir haben uns eigentlich prächtig verstanden. Am nächsten morgen gings dann nochmal durch Schlamm, Bäche und Morast bis wir dann unsere Bootsanlegestelle erreicht haben. Obwohl wir uns ausgiebig geduscht haben waren die Spuren der letzten Tage nicht ganz wegzuwischen und einige Leute zogen echt Taschentücher vor die Nase bei unserem Geruch. NATUR PUR halt.
Damit die Heimfahrt auch noch ein bischen spannend blieb, verzichteten wir darauf Tickets in Singapur zu kaufen um dann festzustellen, dass alle Tickets in Jerantut bereits verkauft waren. So began eine kleine Odysee über Kuala Lumpur und Johor Bahru bis nach Ang Mo Kio, wo wir dann schließlich um 3 Uhr morgens am Montag (heute) ankamen.

Nicht vergessen darf ich natürlich, meiner Schwester zu ihrem Geburtstag zu gratulieren.

Bruder aus Dschungel spricht: BLEIB SAUBER !!!!!!!!!!!!!!!

LG, Michael

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Danke für deine Grüße mein Bruderherz!

Das ist ja ein unglaublich weiser Spruch ("Bleib sauber") :-)
Aber du bringst mich nicht mit 20 Pferden zu diesen Blutegeln... und die Evi bestimmt auch nicht.

Liebe Grüße,
deine Singapur-Trulla
Phia